Araneus diadematus (engl. Cross Spider)

CROSS-BROWSER.net
Strategien bei Design und Entwicklung

Woher kommt die ganze Cross-Browser Problematik?

Es gab einmal eine Zeit, da war die Welt für Webautoren noch in Ordnung: HTML war ein übersichtlicher und leicht zu erlernender Befehlssatz, und mit wenig Aufwand war es möglich Inhalte im World Wide Web der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Zugegeben: viele Gestaltungsmöglichkeiten hatte man nicht, aber man versuchte sein Bestes, mit den vorhanden Mitteln wie horizontalen Strichen und Tabellen ein trotzdem einigermaßen ansprechendes Design zu erzielen.

Netscape: das Netz bin ich

Dann erbarmte sich Netscape und gab dem Webautor einige Tags, die zwar nicht mehr dem festgeschriebenen Standard entsprachen, mit denen man aber schon einiges mehr an Design erreichen konnte. Auch wenn das <BLINK> Tag ein glatter Fehlgriff war (der sich nichtsdesotrotz eine Zeit lang großer Beliebtheit erfreute). So konnten die Webautoren allmählich zu Webdesignern werden und die Zukunft sah rosig aus. Und Standard war sowieso das, was Netscape konnte, denn Netscape und Browser waren quasi Synonyme.

Microsoft: das große Erwachen

Leider verdunkelte sich der Webhimmel bald darauf: Bill Gates hatte erkannt, dass er das Web unterschätzt hatte und blies zur Aufholjagd, um sich seinen Anteil zu sichern. Der Internet Explorer von Microsoft wurde in einer gewaltigen Anstrengung als Alternative zu dem bis dahin so gut wie konkurrenzlosen Netscape Navigator aus der Wiege gehoben. Waren auch die ersten Versionen noch keine ernsthafte Gefahr, so gelang es Microsoft doch nach einer gewissen Zeit, einen ernstzunehmenden Browser auf den Markt zu werfen. Und um die Webdesigner auf seine Seite zu bekommen, bot der Internet Explorer nicht nur die Netscape-Erweiterung von HMTL an, sondern auch gleich ein paar eigene, die natürlich noch mehr Möglichkeiten boten. Damit bahnte sich der Alptraum für Webdesigner an.

Im Laufe der Zeit wurde der Internet Explorer immer besser, gewann auch durch die kostenlose Verteilung Marktanteile und Netscape musste sich schließlich der geballten Macht des Microsoft-Konzerns geschlagen geben: Der Netscape Navigator wurde zwar fortan ebenfalls gratis verteilt, aber Netscape gab eine Weiterentwicklung des Browsers so gut wie auf. Die Unterstützung von Tags des Konkurrenzprodukts lag brach und selbst Fehler wurden nur halbherzig oder gar nicht mehr behoben.

Standards in großer Auswahl

Die Webdesigner standen vor dem Scherbenhaufen dieses Browserkriegs: Zwei Browser, zwei Befehlssätze und dann war da noch der offizielle Standard des W3C. In beiden Browsern waren Cascading Style Sheets implementiert, leider jedoch verschieden unvollständig und mit jeweils ganz eigenen Bugs. JavaScript unterstützten beide Browser fast kompatibel, aber für den Zugriff auf das Webdokument hatten die Konkurrenten dummerweise eine ganz unterschiedliches Document Object Model implementiert. Wer nicht Besucher mit dem einen oder anderen Browser von vorneherein von seiner Website auschließen wollte, konnte sich nur auf die Möglichkeiten beschränken, die beide Browser in der gleichen Weise boten - oder sich dazu entschließen, Webprogrammierung für beide Browser zu betreiben und Methoden zu ersinnen, die dies ermöglichten, ohne dass man alles doppelt programmieren musste: der Begriff der "Cross-Browser" Programmierung wurde geboren.

W3C - übernehmen Sie!

In diesen Tagen geht diese Ära (zum Glück!) langsam zu Ende - jetzt, da der Internet Explorer sich schon seit längerem immer mehr den Standards des World Wide Web Konsortiums, kurz W3C, annähert und diese in den aktuellen Versionen schon fast vollständig unterstützt - und jetzt, da Netscape das Release 6 des Navigators veröffentlicht hat, der dank des von der Open Source Gemeinde völlig neu entwickelten Browserkerns Mozilla so gut wie alle aktuellen W3C-Standards unterstützt.

Schade ist nur, dass mit dem Erscheinen der neuen Versionen nicht gleich alle Websurfer dieser Welt diese bei sich installieren. Denn für eine gewisse Übergangszeit bedeutet das für uns Webprogrammierer, dass wir nicht mehr alles doppelt machen müssen - sondern dreifach: Für den alten Netscape Navigator, für den alten Internet Explorer und für die neuen W3C-konformen Generationen beider Browser. Wie das möglichst einfach zu bewerkstelligen ist und wo eigentlich die elementaren Unterschiede liegen, versuche ich in den folgenden Kapiteln zu erklären.

 

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© 2001 Metin Savignano

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